bastian koch keksbox
Categories: Business

Wenn ich zum Thema Social Media und ihrer Nutzung referiere, lege ich immer großen Wert auf das ‘Soziale’, also direkte, ehrliche Kommunikation in Verbindung mit freundlicher Ansprache und mehrwertigen Themen. Zu den No-Go’s gehört wildes Aggregieren in die unterschiedlichen Netzwerke. Wenn ich jedoch einen Blick in meinen Social Graph werfe, tauchen die selben Posts von den selben Leuten zur selben Zeit auf. Und auch ich ertappe mich dabei, Dinge die mir besonders wichtig sind, besonders breit zu streuen. Immerhin tue ich dies in den meisten Fällen händisch, um die jeweiligen Möglichkeiten und Anforderungen bei den Updates (Timing, Hashtags, Replies, Verlinkungen, Vorschaubilder etc.) zu berücksichtigen und auch, um im Überblick zu behalten, was, wann rausging und so jeweils die Kommunikation in Bezug auf Aktion und Reaktion koordinieren zu können.

Beim Nachdenken über dieses Prozedere hab ich mich – aus Mangel an Alternativen – selbst gefragt, ob das erstens sinnvoll und zweitens effizient ist oder ob sich die jeweiligen Kontakte nicht viel zu sehr überschneiden. Wer nutzt welche Netzwerke, wer ist mit mir wie oft vernetzt? Zeit für ein kleines Social Media-Experiment.

1. Welche Netzwerke sollten in dem Experiment berücksichtigt werden?

Als Social Media Experte, Berater, Autor (versucht es einfach möglichst neutral zu betonen), bin ich mir und meinen Kunden gegenüber dazu verpflichtet, viele Dienste auszuprobieren, Accounts zu sichern und mir eine Meinung zu bilden, die ich weitergeben kann. Dennoch ist MySpace tot, die VZ-Netzwerke liegen im Koma und MyOn-ID, Diaspora, Amen, hi.im, about.me, soup.io etc. spielen keine wirkliche Rolle in meiner digitalen Identität. Reader und Bookmarking-Dienste nutze ich eher privat also im unsozialen, geschlossenen Modus. Video- und Fotoportale sind nützlich und genutzt, aber ich bin weder Videokünstler noch Fotograf und habe hier keine nennenswerte Reichweite. Für meine Aktivität auf WordPress und anderen Blogging-Diensten gilt – Asche auf mein Social Media Haupt – dasselbe.

Auswahlkritierien: aktive Nutzung/regelmäßiges LogIn und eine Reichweite im dreistelligen Bereich

Damit reduzieren sich die relevanten Kanäle auf genau fünf. Drei die auf Gegenseitigkeit beruhen (Xing, LinkedIn, Facebook), wobei ich die Themen Abonnments, Premium-Accounts, die Möglichkeit verschiedener Filter und der zum Teil vorhandenen Option Updates öffentlich zu machen (was jeweils dieser Gegenseitigkeit widerspricht), bewusst ausblende, um das Experiment nicht ausufern zu lassen. Und zwei Dienste, die das Abonoment als soziales Element interpretieren (Twitter, Google Plus) – auch hier verdränge ich im folgenden die Funktionsweise von Listen, Kreisen und privaten Accounts.

2. Welche von mir genutzten Diensten entsprechen meinen Auswahlkriterien anhand der Reichweite?

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass den knapp 800 Followern, 400 Followings und den 280 Einkreisungen, 130 Personen gegenüberstehen, die mir ein Plus Wert waren.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass diese Zahlen zwar über dem allgemeinen Durchschnitt liegen, was wiederum meiner Profession geschuldet ist, aber im Vergleich zu anderen Vertretern meiner Gilde, eher bescheiden ausfallen. Ich versuche die Netzwerke einigermaßen clean zu halten und habe bestimmt schon ebenso viele Kontakte gelöscht, wie aktiv hinzugefügt.

3. Warum wurde Facebook als Plattform für das Experiment gewählt?

Zwei Antworten liegen auf der Hand. zum Einen ist Facebook das mit Abstand erfolgreichste, reichweitenstärkste Netzwerk in Deutschland und zum anderen offeriert der Dienst mit “Questions” eine einfache Möglichkeit solche Experimente durchzuführen. Hinzu kommt, dass ich das Experiment geschlossen halten wollte, um wirklich aussagekräftige Antworten zu erhalten.

Schließlich und endlich entspricht die Anzahl der Kontakte auf Facebook mehr oder weniger dem Durchschnitt bezogen auf die benannten Netzwerke.

4. Wie sollte das Experiment ablaufen?

Zwei einfache Fragen und die Antworten aus meinem Facebook-Freundeskreis sollten genügen. Die ersten Frage bezieht sich auf die Nutzung der ausgewählten Kanäle meines schwerpunktmäßig privaten Netzwerkes. Die zweite Frage zielt auf die Vernetztheit mit meiner Person in eben diesen ab.

Die Fragen gingen in kurzen Abständen an 315 Freunde. Beteiligt haben sich 14% bei der ersten und 12% bei der zweiten Frage. Das ist auf Facebook Deutschland bezogen genauso wenig repräsentativ wie meine Gesamtanzahl an Kontakten in diesem Netzwerk, erfüllt jedoch seinen Zweck. Ohne es an dieser Stelle zu beweisen, glaube ich, einen guten Durchschnitt bezogen auf Alter, Geschlecht, Profession erreicht zu haben. Tatsächlicher Schwachpunkt: Viele meiner Facebook-Freunde sind wie ich im Netz unterwegs und besonders empfänglich für solche Spielereien.

Von mir selbst und von anderen Community Managern weiß ich, dass bereits Interkationsraten im niedrigen einstelligen Prozentbereich zu Luftsprüngen führen und als Erfolg zu bewerten sind. Insofern entspricht das Feedback zu den Fragen dem Vorteil den man als Mensch, den man auch analog kennt, gegenüber einer Marke oder einer Firma besitzt.

5. Welche Netzwerke werden von meinen Facebook-Freunden aktiv genutzt?

‘Aktiv’ bezeichnet in diesem Zusammenhang, dass regelmäßige Einloggen (mindestens einmal im Monat) zur aktiven oder passiven Nutzung des jeweiligen Netzwerkes.

Da die Frage auf Facebook gestellt wurde, sind 100% der Befragten auch in diesem Netzwerk aktiv. Die darüber hinaus gehenden Informationen sind zumindest teilweise überraschend.

Xing, Twitter und Google Plus (in der Reihenfolge) werden fast gleichberechtigt genutzt. Ungefähr 2/3 meiner Freunde haben einen Account bei diesen Diensten. LinkedIn landet abegschlagen auf Platz fünf. Wenig überraschend ist der zweite Platz von Xing, gilt es doch als das Business-Netzwerk Nummer 1 in Deutschland. (Obwohl die Abgesänge im Netz eher mehr als weniger werden und LinkedIn zumindest in Sachen Online-Reputation vor vor seiner Copy Cat liegt.)

Überraschend sind die hohen Nutzungszahlen von Google Plus und Twitter. Der Kurznachrichtendienst wurde doch bisher eher belächelt, Google Plus ist noch nicht einmal ein halbes Jahr alt und wird – auch von mir – als Nerd-Spielplatz wahrgenommen, der verwaist sein wird, sobald es etwas neues gibt … Mit dem Wissen, dass zur Zeit nur eine halbe Millionen Menschen auf deutsch twittern und der Abgesang auf Google Plus bereits begonnen hat, erscheinen die Zahlen meiner Umfrage relativ hoch.

6. In welchen Social Media Diensten sind meine Facebook-Freunde mit mir vernetzt?

Auch hier gilt, da die Frage auf Facebook gestellt wurde, sind 100% der Befragten meine Facebook-Freunde. So weit, so banal.

Erst die Vermutung, dass mein Freundeskreis zu sehr im Thema steckt, dann die scheinbare Bestätigung bezogen auf die Reichweite von Twitter und Google Plus im selbigen und jetzt das. Nur jeder zweite meiner Freunde ist mit mir auch außerhalb von Facebook online vernetzt. Der größte Teil davon auf Xing. Zwar bleibt die Reihenfolge erhalten, jedoch ist der Abstand zu Twitter und Google Plus deutlich größer. Der Circle-Dienst und LinkedIn halbieren sogar ihr Prozentwerte im Vergleich zur ersten Frage.

7. Was sagt all das über meine Eingangsfrage?

Die unterschiedlichen Dienste mit den selben Themen und Topics – insofern relevant – zu bespielen macht Sinn. Es scheint Lieblings-Netzwerke zu geben, die prioritär und aus unterschiedlichen Gründen genutzt werden. Darüber hinaus spielt die Unterscheidung zwischen Aktivität und Passivität in den Kanälen offensichtlich eine besondere Rolle, die es näher zu untersuchen lohnt.

Das mach ich irgendwann mal in Ruhe oder schreib ein Buch drüber.

Welche Erfahrungen habt ihr bisher gemacht, wenn ihr identische Inhalte auf unterschiedlichen Kanälen veröffentlicht? Macht ihr das überhaupt oder konzentriert ihr euch auf einen Kanal? Wo habt ihr von diesem Post erfahren?

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2 Comments

Peter Brüggemann

Oktober 18th, 2011

Mein lieber Bastian,
meine Herangehensweise ist eher prakmatisch. Xing für Business, twitter für Business und Freunde, facebook nur für Freunde (sprich Freizeit).
Insofern erstaunt es nicht, dass es Brüche zwischen den Nutzern und deren Präsenz gibt.
Allerdings sind meine Erfahrungen (bin überall schon ziemlich lange dabei) sehr unterschiedlich. Bei xing bemerke ich immer mehr den Trend zur eigenen Vermarktung der user. Keiner hört mehr zu oder merkt sich, warum der andere überhaupt dabei ist (die Gruppen sind von Anbeginn eher Quatschbuden von Einzelnen – die gerade mal so im Netz waren – und belanglos).
Twitter interessiert mich bald nicht mehr. Die “Neuigkeiten” werden immer beliebiger und gerade hier tauchen sowieso auch die Freunde von facebook auf (dann reicht ja diese Plattform aus!?).
Facebook hat sich als Portal und Kontaktschiene zur Außenwelt für mich etabliert. Da ich derzeit noch als Selbständiger rumlaufe, kann ich (noch) keine Aussagen über die Nützlichkeit dieser drei social media – Portale machen (kommt vielleicht später mal, bei Interesse deinerseits).
MfG
Peter Br.

admin

Oktober 19th, 2011

Interesse ist vorhanden und das Thema noch nicht zu Ende gedacht (soweit ich weiß). Da ist auch immer noch viel zu veil Bewegung drin …

Der beschriebene Xing-Trend ist meiner Ansicht nach von Anfang etwas, was nie in den Griff bekommen oder gar in Angriff genommen wurde. Deshalb nutze ich die Plattform vor allem als Datenbank zu meinen Kontakten und als gut-findbare Visitenkarte im Netz. Hier ist vor allem spannend, ob und wie LinkedIn tatsächlich Macht am (deutschen) Markt gewinnen kann. (Facebook hat seinen VZ-Klon ja ordentlich in die Kniee gezwungen.)

Twitter ist die beste Suchmaschine für Echtzeitereignisse überhaupt und ein angenehmer, leichter, intuitiver Weg Kontakte zu pflegen sowie Neuigkeiten zu erfahren und zu teilen.

Facebook gibt mir die Möglichkeit, meinen Freundeskreis, meine Geschäftskontakte zu pflegen, mein Unternehmen zu präsentieren, den Wettbewerb sowie Trends im Auge zu behalten. Als Inhaber einer modernen Marketingagentur ist es darüber hinaus das Werkzeug, um für Kunden Ideen und Kampagnen umzusetzen oder zumindest zu ergänzen.

Facebook und Google kämpfen um die Vormachtstellung als Netz im Netz. Google kann nicht sozial, aber Facbook wird alles daran setzen, seine Power an Reichweite und seine Kenntnisse über ‘den Surfer’ zu nutzen, um in den Gefilden von Google zu wildern. Andersrum wurde der Angriff durch G+ meiner Meinung nach erfolgreich abgewehrt.

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