Als ich mich heute vor genau drei Jahren auf den Weg in die Selbstständigkeit wagte, hatte ich mir Vieles vorgestellt. Das meiste davon aber stimmte nicht.
Nicht ohne stolz schaue ich zurück auf die Organisation von Rock-Konzerten, auf die Mitwirkung an einer Fußball-WM (DER Fußball-WM), eine Hörspiel- (Oh, Schreck, die Erwachsenen sind weg!) und eine DVD-Produktion (Funpunk vs. Powerpop), den Eurovision Song Contest in Helsinki, eine Agenturgründung im letzten und das größte Fan Fest zur EM in diesem Jahr. Kurz: ich freue mich auf mehr.
Um die Frage vorwegzunehmen: nein, ich kann mich nicht an schlaflose Nächte, erfolglose Akquise, enttäuschende Projekte, trostlose Buchhaltung oder ähnliches erinnern - und, ja: Verdrängung ist aus meiner Sicht eine wichtige Eigenschaft des Unternehmers.
Metaphorisch gesprochen bin ich sicher oft mit dem Kopf durch die Wand gegangen; physikalisch habe ich eher auf Werkzeug zurück gegriffen. (Je nach Ausrichtung der Selbstständigkeit zweifelsohne auch wichtige Vorraussetzungen.) Aber weder diese rohe Gewalt gegenüber wehrlosen Wänden, noch klempnern im engeren oder hausmeistern im weiteren Sinne gehörten jemals zu meinen Stärken. Und doch zählt die Institution [ *] keksbox zum Wichtigsten und Prägendsten, was diese drei Jahre zu bieten hatten. Künstler, Designer, Werber, Musiker samt Tonstudio unter einem nicht dichten Dach zu beherbergen, ging mit der Frage nach meinem Dachschaden oft einher.
Trotz Stress, Schwierigkeiten, finanziellen Engpässen und negativer Verwunderung, war jederzeit eine besondere Energie spür- und erlebbar, die nur durch eben diese Konstellation geschaffen werden konnte. Wir nannten es oft und liebevoll Rock’n'Roll; waren wir schlechter drauf, hieß es Hippie-Scheiss. Ich weiß nicht, ob die Bezeichnung Mythos übertrieben ist - oder eine zu bescheinigende Sogwirkung untertrieben. Aber ich weiß, die beteiligten Menschen (Praktikanten, Freie, Yogis, Lebemänner und nicht nur Lebenskünstler) wären ohne die Box einen anderen Weg gegangen, diese Agentur hätte es so wahrscheinlich nicht gegeben.
Ebenso offen ist, ob ich noch selbstständig wäre, ob ich noch in Berlin sein würde, ob ich überhaupt einen Blog hätte - oder einen Leser.
Danke an alle Wegbegleiter.

Word!
aus Sofia ragen 2 in den Himmel zeigende Daumen empor!