bastian koch keksbox
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Den ersten Kontakt zum Wort “früher” hatte ich, wie wahrscheinlich jede und jeder, über deutlich ältere Menschen, die sehr gewissenhaft darauf hinwiesen, um wie viel alles besser oder zumindest gut war. Natürlich fehlt einem so lange das Verständnis dafür, bis man es zum ersten Mal selbst ausspricht.

Es geschieht schleichend und überraschend; nach der Schule oder nach bzw. während der Ausbildung, der Weltreise, dem Studium etc. … dann bedeutet “früher” nichts anderes als die Schulzeit. Denn was davor geschah ist zu weit weg, um sich zu erinnern, und was danach geschah noch zu nah dran, um es “früher” zu nennen. Es ist eindeutig. Oder?!

Es ist NOCH eindeutig! Je länger die Siegerehrung beim Bildungscasting her ist, desto schwammiger und vielschichtiger wird der Begriff. Ich nehme an, das liegt daran, dass sämtliche Etappen nach und nach ins Positivste verklärt werden. Anders kann ich es mir nicht erklären.

Schule? Großartig! Sport? Erfolgreich! Groupies? Zahlreich und wunderschön! WG-Leben, Dschungel- und Drogentrips? Alles tolle, lehrreiche Erfahrungen ohne Komplikationen usw. usf.; klingt utopisch und unrealistisch, fühlt sich aber nicht falsch an.

Aber ist es falsch, sich selbst zu verdächtigen, ein alter Sack zu sein, der, bildlich gesprochen, im Ohrensessel vor dem Ofen sitzt, und aus seinem Buch des Lebens vorliest, das früher alles besser oder zumindest gut war?

Am Samstag spielen wir mit unser lange aufgelösten Schulband ein Konzert. Mitten im lange verlassenen Bezirk, in dem die Schule, die ich besucht habe, einer Wiese gewichen ist und die Straßen, Menschen und Häuser irgendwie unwirklich erscheinen. Als wäre man als Tourist in einer fremden Stadt. Doch es ist nur eine andere Zeit. Ach, dieses früher …

Spermien in concert

Samstag, 27. September 2008 | Anna Landse | Prötzeler Ring 13 | 12685 Berlin-Marzahn

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