bastian koch keksbox
Categories: am Rande

“Indiskretion und Selbstentblößung widern mich an”, sagt der Altkanzler in einem Tonfall, der den Gesprächspartner einschüchtert – und zieht sich demonstrativ auf seine “norddeutsche reservierte Art” zurück. Die fordere ihm ab, diesen sensiblen Bereich seiner Existenz auch deshalb weitgehend auszusparen, weil er die Öffentlichkeit nicht mit “zwangsläufig geschönten Geschichten” langweilen wolle.

So weit Hans-Joachim Noack im aktuellen Spiegel. Doch die Ansichten des Elder Statesman kann man ohne Weiteres auch auf das Internet und das unsägliche bis unnötige Mitteilungsbedürfnis mancher User in Blogs, Foren und Communities übertragen. Die vielfältigen und nützlichen Möglichkeiten stehen außer Zweifel. Doch der Grad zwischen Langeweile auf der einen und Information, Weiterbildung und Präsentation von Ideen, Interessen und Leistungen aller Art  auf der anderen Seite bleibt schmal.

Mit diesen Gedanken veröffentliche ich meinen zweiten Artikel in diesem Blog und frage mich, wie es hier weitergehen wird.

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4 Comments

John

August 21st, 2008

freue mich drauf

christoph

August 24th, 2008

lieber bastian – ausgerechnet den schmidt als beispiel für diskretion, für beschränkung aufs wesentliche zu zitieren, das ist ein klassischer fall vom bock zum gärtner. der schmidt hat ein wöchentliches interview im zeit-magazin, das an selbstbeweihräucherung und aufgeblasenheit nicht zu übertreffen ist. und warum gibt er dieses wöchentliche interview, obwohl er so ganz und gar nichts zu sagen hat außer stinkspießigen platitüden? nun – weil er einer der herausgeber der zeit ist!

der typ ist selbstverliebt bis an den anschlag und führt das dann auch noch ad absurdum, indem er dann anderswo behauptet, er hielte nichts von zurschaustellung. peinlich finde ich das.

admin

August 25th, 2008

Hallo Christoph,

danke für den Eintrag, den ich zum Anlass nehme, selbst zu kommentieren.

So komisch bzw. verwirrend es klingt, wenn man es genau betrachtet und ich mich richtig verstehe, wurde nicht die Meinung sondern der Wortlaut des Altkanzlers zitiert. Und zwar nach dem sie in tutto aus dem Zusammenhang gerissen wurden.

Denn Schmidt spricht (und das wird dich nicht überraschen) ausschließlich über sich selbst bzw. darüber, warum er zu allem eine Meinung haben kann, zu eigener und fremder Politik zum Beispiel, sich jedoch bei privaten Fragen mit den Antworten zurückhält. Diesen Ansatz fand ich mit Bezug zur allgemeinen Internetnutzung äußerst spannend. Gerade weil ich mich damit beschäftige, wie und in welchem Ausmaß ich mein eigenes Interprofil nutze und mit Inhalten fülle – ohne es in der Selbstfindugnsphase zu vielen Änderungen unterwerfen zu müssen.

Zurück zum Kommentar: Schmidt selbst hält die Möglichkeiten der Neuen Medien wahrscheinlich für Visionen, die man zum Anlass nehmen sollte, den Arzt zu konsultieren. Überschätztes Zeug (Zeuch), das es nicht Wert ist, seine Zeit, und damit meine ich nicht das Magazin, zu verschwenden.

Damit hättest du Recht. Denn genau dafür ist er zu altbacken, zu selbstverliebt und zu überzeugt von seiner eigenen Meinung.

Diese Attitüde ist manchmal nervig, oft amüsant und zum Teil auch lehrreich. Fast immer ist sie rhetorisch wertvoll oder zumindest sehr gut gemacht, weil sie keine andere Meinung zulässt und – wie in diesem Fall – Spielraum für Interpretationen lässt, wenn auch zu einem ganz anderen Thema.

Nämlich nicht der interne und externe Blick auf einen ehem. Bundeskanzler sondern der auf die Zukunft dieses Blogs.

P.S. Einen bekennenden Nikotinjunkie der Selbstbeweihräucherung und der Aufgeblasenheit zu überführen hat einen gewissen Charme.

christoph

August 25th, 2008

am ende fragst du dich ja selber, “wie es hier weitergehen wird”. jedenfalls nicht so wie beim schmidt, hoffe ich. aber da hab ich wenig sorgen :-)

bzw was du natürlich machen könntest, wäre, solches geschwurbel wie das aus dem spiegel-interview gleich mal selber niederzumachen und das nicht mir zu überlassen. denn solche frechheiten wie “di lorenzo befragt seinen chef und leckt dabei dessen stiefel” finden sich ja überall in der presse. ein journalist interviewt den anderen, schmalztriefende laudatio wohin man schaut. und am ende wagen es diese alten herren dann, mahnend den finger zu heben über den qualitätsverlust der medien, der angeblich durch die blogosphere und die beteiligung und “selbstentblößung” des lesers entsteht. bravo, bravissimo.

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